Was ist Baubiologie?

Das Wort Baubiologie betont, dass der beim Bauen entstehende Lebensraum das Wohlbefinden dauerhaft fördern soll. Konzeption und Ausführung des Bauwerks sollen lange Zeit ein angenehmes Leben und Arbeiten darin ermöglichen. Gesundheit ist dabei ein zentraler, aber nicht der einzige Gesichtspunkt - Wohlbefinden reicht weiter.

Dass die Art des Bauens und die Einrichtung der Wohnung das Wohlbefinden und die Lebensfreude entscheidend beeinflussen können, wurde schon lange vor der Erfindung des Wortes "Baubiologie" erkannt. In der Weimarer Republik wurde diese Einsicht zur Grundlage eines großangelegten Programms für sozialen Wohnungsbau unter dem Motto: "Licht und Luft in die Wohnungen". Gegenüber den Löchern, in denen die Arbeiterfamilien im 19. Jahrhundert vielfach hausten, war das ein enormer Fortschritt. Aber Licht und Luft und trockene Wände sind nicht alles. Dass z.B. auch die Auswahl der richtigen Bau- und Einrichtungsmaterialien wesentlich ist, und dass hier nicht alles, was modern scheint, auch wirklich Fortschritt ist - diese Einsicht musste damals, als gerade die Verwendung des Asbests so richtig in Schwung kam, erst noch gewonnen werden.

Einer der Pioniere der Baubiologie, das seit über 25 Jahren bestehende Institut für Baubiologie (IBN) in Neubeuern, greift deshalb das Wort "ganzheitlich" auf:

Baubiologie ist die Lehre von den ganzheitlichen Beziehungen zwischen der bebauten Umwelt und ihren Bewohnern.

Natürlich ist Baubiologie vor allem die praktische Gestaltung dieser Beziehungen, die durch eine vernünftige (griech. "Logos"), harmonische Ausgewogenheit gekennzeichnet sein sollen. Dabei kommen rationale - auch wissenschaftliche - Gesichtspunkte ebenso zur Geltung wie emotionale und seelische.

Was ist Baubiologie nicht?

Manche denken bei Baubiologie vielleicht an ein exzentrisches und esoterisch angehauchtes "Überwissen", das unbegründbar nach dem Motto "Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nie erjagen" in die Wohnräume gebracht werden soll: Astrale oder kosmische Zusammenhänge, die man im Baumarkt nicht kaufen und die ein normaler Elektroinstallateur nicht begreifen kann, für die man "fühlig" sein muss, und die einem gewöhnlichen Menschen eher Unbehagen (oder Belustigung) verursachen.

Damit hat Baubiologie nichts zu tun, und gelegentlich muss man sich energisch gegen solche Vorstellungen abgrenzen, denn leider gehen sie nicht selten mit dem Wort Baubiologie hausieren, besonders wenn es sich um "geniale" Abschirmungen von sog. Erdstrahlen handelt.

Diese notwendige Abgrenzung sollte nicht als Abwertung eines seriösen Rutengehens verstanden werden, das es durchaus gibt. Seriöse Rutengeher wissen ebenso wie seriöse baubiologische Messtechniker um ihre Beschränkungen. Das Rutengehen ist ein Verfahren im Grenzbereich des Messens. Untersuchungen u.a. an der Universität München haben hier zwar eine extreme Schwankungsbreite der erzielten Aussagen, aber auch einen nicht wegdiskutierbaren "harten Kern" aufgezeigt. In der Baubiologie ist es als ergänzendes Verfahren anerkannt, aber im allgemeinen nicht favorisiert. Wenn man wissen möchte, wovon man redet, sollte man sich auf wissenschaftlich begründete Messverfahren beschränken. Andererseits ist es nicht zweckdienlich, jahrtausendealtes Erfahrungswissen einfach als (heute noch) "unwissenschaftlich" abzuqualifizieren.

Allerdings muss man zugestehen, dass Baubiologen von ihrer beruflichen Herkunft und ihrer Lebenserfahrung her ebenso unterschiedlich sind wie andere Menschen auch. So beziehen manche das Rutengehen in ihre Untersuchungsverfahren mit ein, andere - wie BioLog - tun das nicht.

Umsetzung der Baubiologie

Die Gesichtspunkte der Baubiologie sollten bereits bei der Planung eines Bauvorhabens bedacht werden. In vieler Hinsicht sollte es dabei keines Experten bedürfen, denn ein gedeihlicher Lebensraum ist zuerst eine Frage des Empfindens und der Wünsche dessen, der ihn plant und nutzen will. Andererseits kommt es immer wieder zu zumindest im Nachhinein erstaunlichen Fehlkonzeptionen, etwa in der Vergangenheit das üppige Verstreichen giftiger Holzschutzmittel in Innenräumen, oder heute das für unbedenklich gehaltene (oder unbedachte) Installieren von Mobilfunksendern direkt in der Wohnung in Form der schnurlosen Telefone. Insofern ist fachliche Beratung und Aufklärung ein wichtiger Anwendungsbereich der Baubiologie. Dazu können auch Vorträge, Publikationen in allgemein zugänglichen Medien und Seminare gehören.

 

Im nächsten Schritt konkretisiert sich die Baubiologie in der Beurteilung vorhandener Bauten und Räumlichkeiten, und vor allem in der Messung bestimmter physikalischer, chemischer oder mikrobieller Einflüsse oder Belastungen. Zum Thema Messen wurden in der baubiologischen Entwicklung der letzten 15 Jahre eine Reihe von Verfahren und Beurteilungskriterien standardisiert.

Damit soll zum einem zwischen (wissenschaftlicher) Genauigkeit und Kostenfaktor optimiert werden, zum anderen hatte und hat die Baubiologie hier eine "avantgardistische" Rolle, denn viele dieser Kriterien waren früher nicht im Blick oder nicht präzise fassbar. Naturgemäß ist dies auch das Gebiet mit der stärksten Dynamik.

Bei all dem ist die Zusammenarbeit mit Ärzten, Architekten sowie mit dem Handwerk wünschenswert und notwendig.

Wer sich eingehender mit dem umfassenden Thema Baubiologie beschäftigen möchte, dem sei die 4-mal im Jahr erscheinende Zeitschrift "Wohnung und Gesundheit" des IBN empfohlen.